Der „Reich-mit-Scheiß-Ehrenorden“ – Für Männer, die alles hatten und es trotzdem versemmelt haben

Es gibt Menschen, die haben nie Geld gehabt. Die kennen wir. Die sind traurig, aber verständlich.

Dann gibt es Menschen, die hatten alles. Milliarden. Immobilien. Partys, bei denen sogar die Servietten Gold-geprägt waren. Und dann — schwupps — ist alles weg. Pleite. Insolvent. Am Ende.

Diese Menschen verdienen keinen Mitleid-Artikel in der SZ. Die verdienen einen Orden.

Willkommen beim Reich-mit-Scheiß-Ehrenorden (RmSE)

Hiermit rufe ich — offiziell, handschriftlich auf Goldpapier, weil sonst nicht feierlich genug — den Reich-mit-Scheiß-Ehrenorden ins Leben. Kurz: RmSE. Klingt wie ein Bundesverdienstkreuz, ist aber eigentlich das Gegenteil.

Der RmSE wird jährlich an Personen verliehen, die es geschafft haben, ein bestehendes Vermögen so spektakulär gegen die Wand zu fahren, dass man nur noch staunend danebenstehen kann. Wie ein Autorennfahrer, der mit dem Ferrari in einen geparkten Traktor kracht. Volles Tempo. Freie Bahn. Selbst schuld.

Die Kriterien

Um den RmSE zu gewinnen, braucht es mehr als eine normale Pleite. Armut ist keine Kunst. Milliarden vernichten — das ist Handwerk auf höchstem Niveau. Die Kriterien:

  • Ausgangslage: Mindestens dreistelliger Millionenbetrag. Wer mit 50.000 Euro scheitert, ist ein Versager, aber kein Preisträger.
  • Stil: Das Ende muss einen gewissen Glamour haben. Luxuspartys kurz vor der Insolvenz? Jawohl. Milliarden-Projekte ohne Eigenkapital? Her damit.
  • Selbstwahrnehmung: Der Preisträger muss bis zum Schluss überzeugt gewesen sein, dass er ein Genie ist. Zweifel disqualifizieren.
  • Kollateralschäden: Je mehr Handwerker, Lieferanten und Kleinanleger mitgezogen werden, desto höher die Punktzahl. Das klingt grausam, ich weiß. Aber das ist die Realität dieser Kategorie.

Der erste Preisträger: René Benko

Den Ehrenorden für 2024 — rückwirkend verliehen, weil ich die Idee damals noch nicht hatte — geht an: René Benko. Österreicher. Selfmade-Milliardär. Gründer von Signa. Besitzer von Karstadt, KaDeWe, Chrysler Building-Anteilen. Mensch mit goldenem Geschmack und der Finanzstruktur eines Kartenhauses in einem Windkanal.

Rund 27 Milliarden Euro Schulden. Der größte Immobilien-Crash der Nachkriegsgeschichte. Und dazwischen? Dinner-Partys auf dem Anwesen. Ein Chalet in Kitzbühel. Ein Netzwerk aus Politikern, Managern und Investoren, die alle wussten, dass irgendwas nicht stimmt — und trotzdem weitermachten.

Das ist nicht Versagen. Das ist Kunst.

Benko bekommt den RmSE in der Kategorie „Fake Luxury bis zum bitteren Ende“. Goldener Orden, überreicht symbolisch, weil der echte Benko vermutlich gerade mit seinen Anwälten beschäftigt ist.

Weitere Anwärter auf die Hall of Fame

Der RmSE ist kein Einzelfall. Es gibt eine ganze Zunft von Menschen, die diese Auszeichnung verdient hätten:

  • Wirecard-Braun: 1,9 Milliarden Euro, die nie existiert haben. Buchhalterisch verschwindende Phantomgelder auf den Philippinen. Chapeau.
  • Thomas Cook’s letzte CEOs: Eine 178 Jahre alte Firma an die Wand gefahren, mit letzter Kraft noch Boni ausgezahlt, dann Konkurs. Klasse.
  • Sam Bankman-Fried: Okay, Amerikaner. Aber der Mann hat eine Kryptobörse gegründet, Milliarden von Kundengeldern versenkt und dabei T-Shirts und Shorts getragen. Das hat fast schon eine gewisse anarchistische Eleganz.

Was wir daraus lernen (nichts)

Jetzt könntest du denken: „Nick, was soll ich daraus mitnehmen?“ Ehrliche Antwort: nichts. Diese Männer lernen auch nichts. Benko plant laut Berichten bereits das nächste Comeback. Braun sitzt seine Strafe ab und wird danach vermutlich wieder irgendwo beratend tätig.

Das System belohnt Dreistigkeit. Nicht Intelligenz, nicht Fleiß, nicht Moral. Dreistigkeit. Wer groß genug lügt, groß genug träumt, groß genug scheitert — der kriegt am Ende noch einen Dokumentarfilm auf Netflix.

Ich vergebe den Orden deshalb ohne Ironie. Also — mit ganz viel Ironie, aber aus einem echten Impuls heraus: Respekt für das Scheitern auf höchstem Niveau. Das ist schwieriger, als es aussieht.

Bewerbung für den RmSE 2025

Du kennst jemanden, der infrage kommt? Schreib mir. Die Jury — bestehend aus mir, meiner Kaffeemaschine und einem zufällig aufgeschlagenen Wirtschaftsartikel — trifft sich Ende des Jahres.

Kriterien wie oben. Glamour, Größenwahn, kollateraler Schaden. Kein Erbarmen, aber volle Würdigung.

Der RmSE: Weil manche Pleiten zu schön sind, um sie zu vergessen.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert