Letzte Woche saß ich in einer Konferenz in Frankfurt. Ticket: 1.200 Euro. Der Hauptredner: ein Mann namens Thorsten, der vor sechs Jahren pleite war, das dann in einem Buch beschrieben hat und seitdem für je 8.000 Euro erzählt, wie man nicht pleite geht.
Thorsten hat inzwischen ein Ferienhaus auf Mallorca. Nicht wegen des Buches — sondern wegen der Vorträge.
Die größte Geldmaschine, die du ignorierst
Lass mich dir kurz erklären, wie Keynote-Speaking funktioniert: Du erzählst 45 Minuten lang Dinge, die dein Publikum eigentlich schon weiß, verpackst sie in drei Akronyme, machst am Ende eine Pause, schaust nachdenklich in den Saal — und bekommst einen Scheck.
Das ist kein Vorwurf. Das ist ein Geschäftsmodell. Und es ist verdammt nochmal eines der skalierbarsten, die es gibt.
Ein guter Unternehmensberater rechnet seinen Stundensatz. Ein Keynote-Speaker rechnet seinen Auftrittsatz. 45 Minuten auf der Bühne, zwei Stunden Anreise, eine Nacht im Marriott — fertig. Ergebnis: 5.000 bis 25.000 Euro. Netto. Vor dem Frühstück.
Was du eigentlich verkaufst
Hier ist das schmutzige Geheimnis: Du verkaufst nicht dein Wissen. Du verkaufst deine Geschichte.
Firmen, die Redner buchen, wollen ihren Mitarbeitern kein Seminar. Sie wollen Entertainment mit Bildungsanspruch. Sie wollen, dass Thorsten oder du oder ich auf die Bühne kommt und so tut, als wäre „Dranbleiben ist wichtig“ eine Offenbarung — und nicht das, was Mama dir mit sieben Jahren gesagt hat.
Aber rate mal: Es funktioniert. Und zwar deshalb, weil Menschen Wahrheiten besser hören, wenn ein Fremder mit einem Mikrofon sie sagt. Für das Gleiche von der eigenen Führungskraft würde man augenrollen. Von Thorsten aus Frankfurt? Standing Ovations.
Schritt eins: Dein Unglück vermarkten
Die ironische Grundvoraussetzung: Du musst erstmal ordentlich versagt haben. Wer immer alles richtig gemacht hat, hat nichts zu erzählen. Der ideale Redner war pleite, krank, oder beides — und hat sich dann irgendwie „zurückgekämpft“. Wenn du also gerade in einer Krise steckst: Glückwunsch. Das ist dein zukünftiges Bühnenmaterial.
Schreib es auf. Nicht für dich — für dein zukünftiges Publikum, das 1.200 Euro Ticketpreis bezahlt hat und jetzt dringend braucht, dass du ihr Chaos spiegelst und es ein bisschen schöner machst.
Schritt zwei: Sichtbarkeit ist alles
Kein Mensch bucht einen Redner, den er nie gesehen hat. Das klingt banal, ist aber der Engpass, an dem 90% aller würdigen Bühnen-Kandidaten scheitern.
Du brauchst: Ein Video von dir auf einer Bühne. Egal welcher Bühne. Kleineres Stadtforum reicht. TEDx ist Gold — das bewirbst du dich einfach, die nehmen jeden, der ein halbwegs kohärentes Thema hat und nicht live zusammenbricht. Ein anständiges Rednerprofil auf einer Speaker-Plattform. Und eine Geschichte, die sich in einem Satz erzählen lässt.
„Ich war mit 32 insolvent — heute helfe ich Unternehmen, Verluste als Strategie zu nutzen.“ Boom. Buchbar.
Was das alles mit Reich-mit-Scheiß zu tun hat
Ganz einfach: Das hier ist eine der wenigen Einkommensquellen, die mit deiner Glaubwürdigkeit skalieren, nicht mit deiner Arbeitszeit. Je öfter du redest, desto bekannter wirst du. Je bekannter du bist, desto mehr kriegst du pro Auftritt. Irgendwann dreht sich das Rad von selbst — und du sitzt samstags am Pool, während dein Agent die Termine macht.
Das ist keine Fantasie. Das ist Thorstens Alltag. Und Thorsten war mal Insolvenzverwalter in Dortmund.
Also: Was ist deine Geschichte? Schreib sie auf. Und wenn du keine hast — dann warte kurz. Das Leben liefert.


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